Soziale Landwirtschaft in Südtirol: Brücke zwischen Landwirtschaft und Sozialem

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Sozialen Landwirtschaft wurde ein wichtiger Meilenstein gelegt. Das Gesetz definiert die rechtlichen Rahmenbedingungen, die die sozialen Dienstleistungen am Hof regeln. Eine Möglichkeit mehr im bestehenden Angebot und ein Mehrwert für die Südtiroler Gesellschaft.

So manche Bäuerin hat bereits seit längerer Zeit auf dieses Gesetz gewartet. Eine davon ist Nadia Schieder aus Kastelruth. Sie wird unter anderem Tiergestützte Aktivitäten mit Pferd anbieten. „Auf einem Bauernhof kann man die tiergestützte Pädagogik besser abrunden. Es ist etwas, was sich in die Landwirtschaft gut einfügten kann. Der Mensch ist nicht mehr Patient, sondern Teil des Ganzen, denn die Landwirtschaft kann mehr bieten als eine Struktur“, ist Nadia überzeugt.

Das Soziale mit der Landwirtschaft zu verbinden eröffnet viele Möglichkeiten, so Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer: „Wir sind dabei auszuloten, mit welchen neuen Dienstleistungen wir starten wollen und welche Voraussetzungen es braucht. In Kooperation mit der deutschen Bildungsdirektion werden wir für eine gute Ausbildung sorgen. Wir freuen uns gemeinsam mit den Netzwerkpartnern neue Angebote zu schaffen, welche den Menschen hier im Lande dienen, welche der Gesellschaft einen Mehrwert bieten und welche unseren Bäuerinnen am Hof neue Zukunftsmöglichkeiten bieten.“

Landtagsabgeordneten Maria Kuenzer Hochgruber war als Leiterin der Arbeitsgruppe, die das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft seit zwei Jahren ausformuliert hat, Zugpferd bei der Verabschiedung des Gesetzes. „Der Grundstein ist gelegt, nun wird mit der Sozialen Landwirtschaft ein neuer sozial-unternehmerischer Bereich geöffnet,“ so Kuenzer Hochgruber. „Jetzt ist es wichtig, an den Durchführungsbestimmungen zu arbeiten und zu schauen, dass es für die bäuerliche Familie auch umsetzbar wird. Ich werde dabei die Realität der Bauernhöfe ins Visier haben und auch darauf schauen, dass der bürokratische Aufwand nicht zu groß wird, damit Soziale Landwirtschaft auch machbar ist.“

In der Arbeitsgruppe mit dabei war auch Luca Critelli, Direktor der Abteilung Soziales. In den letzten Jahren seien im Sozialbereich die Angebote immer vielfältiger geworden sind. Dadurch könne besser auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Personen eingegangen werden, so Critelli: „Es ist nicht mehr die Person die sich dem Dienst anpasst, sondern der Dienst der die Bedürfnisse der Person besser berücksichtigen muss. Die Angebote der Sozialen Landwirtschaft können eine weitere wichtige Ergänzung in diese Richtung sein. Es geht dabei nicht so sehr um große Zahlen, sondern um eine Möglichkeit mehr in der Angebotslandschaft.“ Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe waren Anna Tezzele (Juristin in der Abteilung Landwirtschaft), Hans J. Kienzl und Walter Rier (Südtiroler Bauernbund), Juliane Gasser Pellegrini, (Direktorin an der Fachschule für Land – Forst – und Hauswirtschaft), Christian Hoffmann (Forscher an der Eurac), Susanne Elsen (Professorin an der Freien Universität Bozen), Verena Niederkofler (Südtiroler Bäuerinnenorganisation).

Für Landesrat Arnold Schuler ist es wichtig den sozialen Initiativen am Bauernhof einen gesetzlichen Rahmen zu geben: „Die Basis des Landesgesetzes ist das Staatsgesetz Nr. 141 aus dem Jahr 2015. Wir habe aber zusätzlich eigene Bestimmungen eingebaut um die Multifunktionalität in der Landwirtschaft und die Diversifizierung der Landwirtschaft voranzutreiben.“ Auch Landesrätin Martha Stocker spricht von einem wichtigen Schritt: „Die demografische Entwicklung ist eine Herausforderung, der wir unaufhaltsam entgegengehen. Soziale Landwirtschaft ist hier eine große Chance und eine Möglichkeit, den Menschen wirklich in den Mittelpunkt zu stellen.“

Gustav Tschenett, Bildungsdirektor der deutschen Bildungsdirektion, richtete bei der Pressekonferenz den Blick auf die demografische Entwicklung: „Treffen die prognostizierten demographischen Entwicklungen zu, so werden wir in Zukunft über alle Angebote im Bereich der Unterstützung der alternden Gesellschaft, besonders im niederschwelligen Bereich angewiesen sein. Hier kann die Soziale Landwirtschaft eine Rolle spielen.”

Auch der Dachverband für Soziales und Gesundheit befürwortet alle sozialen Dienste, wenn diese das bestehende Angebot ergänzen. Unbestritten ist der Bedarf vorhanden. Zugleich unterstreicht der Präsident Martin Telser jedoch auch, dass für alle diese Dienste die nötigen Qualifizierungen gewährleistet sind: „Wir werden die weiteren Entwicklungen genau beobachten und begleiten.”

Landesbäuerin Erschbamer überzeugt:„Allen, die sich für diesen Weg stark gemacht haben, sei mein Dank gesagt. Die Landwirtschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt, sie öffnet die Tore, doch es braucht die Unterstützung von der öffentlichen Hand. Und ein funktionierendes Netzwerk von Partnern aus Sozial-, Bildungs- und Landwirtschaftspolitik ist dabei unerlässlich. Soziale Landwirtschaft ist eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Sozialem.“

Bild 1: v.r.n.l Verena Niederkofler (Südtiroler Bäuerinnenorganisation), Walter Rier (Südtiroler Bauernbund), Leo Tiefenthaler (Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes), Luca Critelli (Abteilungsdirektor Abteilung für Soziales), Anna Tezzele (Juristin in der Abteilung Landwirtschaft), Susanne Elsen (Professorin an der Freien Universität Bozen), Hiltraud Erschbamer (Landesbäuerin), Juliane Gasser Pellegrini (Direktorin an der Fachschule für Land – Forst – und Hauswirtschaft), Maria Hochgruber Kuenzer, Landtagsabgeordnete, Martha Stocker (Landesrätin für Soziales), Gustav Tschenett (Bildungsdirektor der deutschen Bildungsdirektion), Arnold Schuler (Landesrat für Landwirtschaft) und Martin Telser (Präsident des Dachverbandes für Soziales)

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrike Tonner

Dr. Ulrike Tonner

Südtiroler Bäuerinnenorganisation

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